Leb wohl, liebes Hausgespenst! by Fischer Marie Louise

Leb wohl, liebes Hausgespenst! by Fischer Marie Louise

Author:Fischer, Marie Louise [Fischer, Marie Louise]
Language: deu
Format: epub
Published: 2013-07-26T16:00:00+00:00


Günthers Mutter war so entsetzt, daß sie unwillkürlich Monikas Schulter packte und so fest zudrückte, daß es weh tat. Alle sahen Günther nach. Der hilfsbereite schwarze Junge war vergessen.

Mitten über dem Swimmingpool gelang es Günther, seinen Körper und die Arme zu strecken, so daß er mit einem gekonnten Kopfsprung mitten im Becken landete, fast ohne Wasser aufzuspritzen.

Günthers Mutter ließ Monika los und stürzte zum Becken. Alle folgten ihr und drängten sich um den Rand. Sie warteten mit atemloser Spannung, bis Günther an der anderen Seite wieder auftauchte.

„Hurra!“ rief er. „Da bin ich wieder!“

Die Angst, die alle um ihn gehabt hatten, löste sich in befreiendem Gelächter auf.

Nur seine Mutter konnte die Sache immer noch nicht komisch finden. Sie stürzte auf ihn zu, als er, klitschnaß, aber sonst gesund und munter, aus dem Wasser stieg.

„Wie konntest du nur!?“ schimpfte sie, und einen Moment schien es, als wollte sie ihm eine Ohrfeige geben; dann aber wurde ihr wohl bewußt, daß sie und Günther noch im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit standen, und sie beschränkte sich darauf, ihn mit beiden Händen zu schütteln. „Du entsetzlicher Junge! Wie konntest du mir das antun?! Prügel hättest du verdient!“

„Aber, Mutti“, sagte Günther, „warum regst du dich denn so auf? Es ist doch gar nichts passiert.“

Sie ließ ihn los. „Nein, gar nichts... abgesehen davon, daß du dir das Genick hättest brechen können und ich fast einen Herzschlag erlitten habe!“

„Aber alles nur fast, Mutti!“

„Schlimm genug! Du bist wirklich unmöglich, Günther! Auf der Stelle reisen wir ab!“

„Aber wir haben doch noch für eine Woche gebucht!“

„Das ist mir egal!“

„Auch, was Vati dazu sagen wird?“

„Wenn ich es ihm erzähle...“

„...wird er höchstens lachen! Was ist denn schon weiter passiert? Daß ich von einer Palme in den Swimmingpool gesprungen bin! Du weißt, Vati ist sehr fürs Sportliche!“

„Ihr schrecklichen Männer“, sagte Günthers Mutter in einem Ton, der erkennen ließ, daß sie sich schon geschlagen gab.

„Nimm’s doch nicht so tragisch, Mutti!“ Günther legte ihr den Arm um die Schultern. „Ich verspreche dir auch hoch und heilig, es nicht wiederzutun.“ Nach einer kleinen Pause fügte er einschränkend hinzu: „Jedenfalls nicht mit Absicht.“

„Was heißt denn das schon wieder?!“

„Ich meine... wenn ich nicht dazu gezwungen werde!“

„Wer könnte dich denn zu so etwas zwingen?“

„Nun ja, es wäre doch immerhin denkbar...“ Günther trat von einem Fuß auf den anderen.

„Nun ist es aber genug, Günther! Nicht nur, daß du dich unmöglich benimmst, jetzt machst du dich auch noch lustig über mich. Du weißt, daß ich für diese Art von Humor nichts übrig habe. Wie du aussiehst! Geh sofort hinauf und zieh dich um!“

Erleichtert trabte Günther davon.

Die Versammlung der Gäste löste sich auf; sie verteilten sich wieder auf Stühle, Liegen und Badetücher, und einige sprangen ins Wasser. Günthers Mutter zündete sich eine Zigarette an. Ihr Gesicht war immer noch blaß unter der braunen Haut.

Monika, Ingrid und Norbert holten sich jeder ein Glas Limonade und setzten sich dann an einem der Tische unter einem Sonnenschirm zusammen.

„Es war schon gut, wie er das gemacht hat“, stellte Norbert fest, „aber ein großer Angeber ist er trotzdem!“

„Ja, sag mal,



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